intraLife Akademie

Einleitung

Die Gewaltdiskussion, sowohl psychisch als auch physisch, fordert neue Denkansätze und Handlungsstrategien. Es sind vermehrt übergriffige Handlungen zu beobachten.

Die Gewalt bzw. die Gewalttaten haben sich qualitativ verändert und sind somit zu einem gesellschaftspolitischen Thema avanciert. Hemmschwellen sind deutlich gesunken, so dass Auseinandersetzungen früher einsetzen und in einer gesteigerten Form ausgeübt werden.

Die Soziale Arbeit besitzt die Verpflichtung gegenüber den Tätern, vor allem aber gegenüber den Opfern, sich mit Verhaltensweisen jeglicher Art auseinander zu setzen.

Unser Ziel ist es die Eskalationsspirale mit all ihren Facetten zu durchbrechen.


Das KRIP-Training (Konfrontatives-Ressourcenorientiertes-Interventions-Programm)

Unser Programm ist auf den sekundären und tertiären präventiven Bereich ausgerichtet, um Notlagen prognostizieren zu können und deren Entstehung durch die Entwicklung von Handlungsstrategien zu vermeiden. Das eigens dafür entwickelte (Baustein-) Programm ist durch einzelne Themenbereiche gekennzeichnet, die nach Bedarf für die jeweilige Gruppe ausgewählt werden können.

Als Themenbausteine kommen konfrontative, emotionale und ressourcenorientierte Methoden zum Einsatz. Die pädagogisch gezielte, provokant-konfrontative Auseinandersetzung mit den Klienten bildet hierbei den Startpunkt. Durch diese dynamische Streitkultur sollen sich die Klienten intensiv mit ihren Taten/Handlungen und der Situation der Opfer auseinandersetzen. Sie sollen diesen Teil des Trainings als eine Herausforderung ansehen und die Bereitschaft entwickeln, sich in Frage stellen zu lassen, um anschliessend lösungsorientiert an ihren Problemen weiter zu arbeiten.

Auch wenn die Methoden von der klassischen, empathischen Sozialarbeit zunächst augenscheinlich abweichen, so ist doch die Wertschätzung der Persönlichkeit der jeweiligen Menschen auch hier eine Grundvoraussetzung für den pädagogischen Handlungsablauf.

So dient als eine Grundlage unserer Arbeit die Bedürfnispyramide nach Maslow, die besagt:

                                      "Jeder Mensch hat Bedürfnisse"

  • Selbstverwirklichung (Entwicklung der Persönlichkeit, Verwirklichung der eigenen Potentiale, etc.)
  • Wertschätzung/Anerkennung (Wunsch nach Erfolg und Ansehen, das Einbringen eigener Fähigkeiten, nach Bestätigung, Selbstachtung oder Macht, etc.)
  • Soziale Zuwendung (Geborgenheit, Liebe, Dazugehören zu einer Gruppe/Gemeinschaft, Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen, etc.9
  • Sicherheiten (Schutz der körperlichen Unversehrtheit, sich vor möglichen Gefahren zu schützen, materielle Sicherheit "Arbeitsplatz", etc.)
  • Physiologische Bedürfnisse (Nahrung, Schlaf, Sexualität, etc.)

(Maslow, Kruntorad: Motivation und Persönlichkeit, rororo, 12. Auflage, 1981)

Ziel des Trainings ist, die Wahrnehmung der Teilnehmer für die vorgegebenen Themen zu sensibilisieren. So soll ein bewusster Bezug zu den Begriffen Aggressionen, aggressives Verhalten, Konflikt, Mobbing und Gewalt vermittelt werden. In Praxissituationen sollen die Teilnehmer eigene Befindlichkeiten im Umgang mit diesen Themen kennen lernen. Für die Praxis werden Elemente aus etablierten Trainingsmethoden wie dem Anti-Aggressivitäts-Training, der Budôpädagogik, der Erlebnispädagogik, dem Konfliktmanagement sowie der Gesundheitspädagogik genutzt.

Stressabbau sowie Selbstmanagement sind ebenfalls wichtig zur Gestaltung des eigenen Umgangs in Bedrohungssituationen. Weiterhin geht es darum, Stärken sowie Schwächen zu erkennen, Gefühle zu erfahren sowie Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten.

Vorhandene Kompetenzen und Ressourcen sollen zur Selbstwertsteigerung der Klienten gezielt genutzt werden.

Ebenso wichtig ist es, Übungen anzubieten, die die Empathiefähigkeit bei den Klienten verstärken.

Mittels des Konfliktmanagements werden die Grundlagen der Kommunikation und der Körpersprache mit ihren jeweiligen Botschaften erläutert und veranschaulicht. Weiterhin werden die Konfliktarten und der Konfliktverlauf behandelt. Das Deeskalationstraining stellt Lösungsmöglichkeiten für Konflikte vor, um mit den Klienten gemeinsam neue Verhaltensstrategien in Konfliktsituationen zu erarbeiten.

Einen wichtigen Baustein in dieser Phase bildet das Satir-Modell. Dieses Modell zeigt, wie Veränderungen auf Menschen wirken und wie sie damit umgehen.

Die Veränderung wird in verschiedene Phasen unterteilt:

  1. Alter Status Quo
    In dieser Phase ist das System in einem stabilen Zustand. Alles ist bekannt, es gibt keinen Grund für Ängste oder Unzufriedenheit. Plötzlich passiert etwas – das System wird durch ein fremdes Element aus der Ruhe gerissen.
  2. Widerstand
    In dieser Phase regt sich Widerstand gegen die Veränderung. Die Situation wird erst verleugnet, dann entsteht Wut. Mit aller Kraft wird gegen die Veränderung gekämpft.
  3. Chaos
    Am Anfang dieser Phase steht die Akzeptanz – das System nimmt die Veränderung an und beginnt mit ihr konstruktiv umzugehen. Es herrscht Chaos, weil gewohnte Strukturen und Abläufe plötzlich fehlen. In diesem Zustand kann das System noch in den alten Status Quo zurückfallen, weil die Erfolgserlebnisse fehlen.
  4. Integration
    In dieser Phase fängt das System an, die Veränderung zu integrieren und wieder „Fahrt“ aufzunehmen.
  5. Neuer Status Quo
    Der neue Status Quo entspricht vom inneren Gefühl dem alten Status Quo, nur hat die Veränderung etwas bewirkt und das System hat seine Leistungsfähigkeit gesteigert.

(Satir, Banmen, Gerber: Das Satir-Modell, Jungfermann Verlag, 3. Auflage, 2007)

Durch das Erreichen des neuen Staus Quo werden die Klienten aufgefordert, ihre alten Ziele und Werte zu überdenken. Waren vor der Veränderung Ziele konkret benannt oder welche neuen Ziele haben sich ergeben und stimmen diese noch mit ihrem bestehenden Wertesystem überein.

Die Klienten sollen lernen, ihre neu definierten Ziele und die damit zusammenhängenden Werte für ihr neues Ich, d.h. zur Selbstverwirklichung zu nutzen.

Zielgruppe

Das KRIP-Training richtet sich gleichermaßen an jugendliche und erwachsene Personen mit ggf. wiederholt dissozialem Verhalten. Zielgruppenmerkmale sind rücksichtsloses, dem eigenen Lustgewinn dienendes, auf Machtgefühlen beruhendes und gegenüber pädagogischen Interventionen resistentes Verhalten.

Die Ausübung von psychischer und physischer Gewalt dient meist nur zur Selbstwerterhöhung. Eine Reflexionsbereitschaft über die Opferfolgen besteht hingegen nicht. Durch das Ausschalten ihrer Schuldgefühle, durch ihre Selbstwertproblematik und durch ihr hohes Kränkungsniveau können stimmungsabhängige und unberechenbare Handlungen immer wieder entstehen.

Der zeitliche Rahmen des KRIP-Trainings richtet sich nach dem gewünschten Auftrag und dessen Ziele.


Grundlage ist ein optimistisches Menschenbild:
Verstehen, aber nicht einverstanden sein.
„There is no bad boy“ (Ferrainola, Glen Mills School, USA)


Mögliche Inhalte und Ablauf des Trainings:

1. Kennenlernphase:

• Vorstellen
• Kennenlernspiele
• Vertrauensspiele
• Erlebnispädagogische Maßnahmen (Erlebnis- und budôpädagogische Anteile)
• Gruppendynamische Spiele (Teamfindungsphase)
• Interviews

2. Theoretische Phase:

Vermittlung von Grundkennnissen:

• Erkennen von Aggressionsauslösern
• Phasen der Entscheidung
• Umgang mit Gefühlen (Wut, Enttäuschung, Trauer etc.)
• Eigen- und Fremdwahrnehmung
• Was sind Konflikte?
• Was sind Aggressionen?
• Was ist Zivilcourage?
• Wofür brauche ich Zivilcourage?
• Was ist Mobbing?
• Was ist Gewalt?
• Gewaltrechtfertigung
• Gewalthinterfragung
• Opferempathie
• Körpersprache
• Kommunikation und Rhetorik
• Nähe und Distanz
• Ressourcenaktivierung/Kompetenzförderung
• Verhaltensregeln in Gewalt- und Konfliktsituationen
• Ziel- und Wertearbeit
• Rechtliches

3. Praktische Phase:

• Themenbezogene Rollenspiele
• Perspektivwechsel
• Empathie entwickeln für andere
• Thematische Filmauswertung
• Kompetenztraining
• Selbstbewusstseins-/Selbstwerttraining
• Praktisches Üben von Nähe und Distanz
• Praktisches Üben von Verhaltensregeln in Gewalt- und Konfliktsituationen
• Deeskalationstraining
• Handlungsstrategien gegen Mobbing
• „Heisser Stuhl“
• Provokationstest

Die theoretische und praktische Phase werden auf Grund ihrer übergreifenden Themen parallel zueinander eingeübt. 


Das grundlegende Handlungsprinzip von KRIP muss stets die Annahme und Wertschätzung der Persönlichkeit der Klienten bei gleichzeitiger Verurteilung ihres mitunter übergriffigem Handelns sein. Nach der Auseinandersetzung mit dem Fehlverhalten muss immer die einfühlsame Zuwendung und Ermutigung folgen.

Nur so können die Klienten ihr Verhalten und ihre Einstellung zu Zielen und Werten ändern. Hier kommt das Prinzip des Lernens in der Gruppe zum Tragen. Gesteckte Ziele Einzelner bedürfen der Unterstützung und Hilfe der gesamten Gruppe.

Kosten:

Preise auf Anfrage

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